Teppich
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Weitere InformationenSich gegenseitig zuhören, das Erfasste verarbeiten, in den richtigen Kontext setzen und in einer offenen, vorurteilsfreien Atmosphäre miteinander reden – die wichtigen und vom Aussterben bedrohten Tugenden des Diskurses und des Miteinanders im Allgemeinen sind der Salzburger Sängerin Anna Buchegger ein besonderes Anliegen. „Ois is schwoaz oder weiß, dazwischen gibt’s nix mehr wos bleib, es geht bergåb und ois foaht schuss, dass de Sicht schlecht is, is jed’m wurscht“ besingt sie wütend und fordernd in ihrer neuen und dritten Single „Teppich“, die am 8.8. als Vorbote für das Studioalbum „Soiz“ erscheint. Es ist ein in Liedform gegossenes Manifest gegen Engstirnigkeit, Sturheit und die allumfassende Egozentrik der Gegenwart.
Wie können Probleme und Missverständnisse gelöst und geklärt werden, wenn man sich dem Gegenüber nicht mehr öffnet und alles unter den Teppich kehrt, was nicht ins eigene Weltbild passt? „Mia sitzt’n uns auf de Fehler drauf, jeder suacht si an Schuldigen aus“ – Buchegger zeichnet ein bedrohliches und längst Realität gewordenes Szenario aus Unverständnis und Ignoranz. Sanft wird das Lied mit Piano-Klängen eingeleitet, bevor es sich mit einem intensiven Bläsersatz zu einem Klangmonolith erhebt und mit knarzig-dissonanten Geigenklängen am Ende so verstört, wie es die Menschen in ihrem Umgang untereinander machen. „Mia håm nix mehr zu verlier’n, hiaz kimma uns ungeniert gegenseitig ohliag’n“ – was bleibt, wenn die Ehrlichkeit verschwindet und man sich von allen Problemen abwendet? Lüften wir den Teppich, bevor es zu spät ist.
Songtext: TEPPICH
schiache G’sichter mit grobe Händ
ziag’n am Kråg’n vo dei‘m oit‘n Hemd
ois is schwoaz oder weiß
dazwischen gibt’s nix mehr wås bleib
es geht bergåb und ois foaht Schuss
dass de Sicht schlecht is, is jed‘m wurscht
und wånn du lieg‘n bleibst, draht sie koana um
wei
es geht neama drum,
dass ma wem zuaheat
und wås dazualernt
sondern dass ma n‘Dreck unter’n Teppich kehrt
mia sitzt‘n uns auf de Fehler drauf
jeder suacht si an Schuidig’n aus
und während ma irgendwen ohklåg‘n
laft uns sowieso de Zeit oh
wei ma a gånze Wöd drauf bau’n
dass ma a gånze Wöd aussaug‘n
mia håm nix mehr zu verlier‘n
hiaz kimma uns ungeniert
gegenseitig ohliag‘n
und unser G‘schicht is bluatig
owa ständig drüber red’n
duat ma nit
daut ma nit
hässliche Gesichter mit groben Händen
ziehen am Kragen deines alten Hemdes
alles ist schwarz oder weiß
dazwischen gibt’s nichts mehr, das bleibt
es geht bergab und alles fährt Schuss
dass die Sicht schlecht ist, ist jedem egal
und wenn du liegen bleibst, dreht sich niemand um
weil…
es geht nicht mehr darum,
dass man jemandem zuhört
und dazulernt
sondern dass man den Dreck unter den Teppich kehrt
wir setzen uns auf die Fehler drauf
jeder sucht sich einen Schuldigen aus
und während wir irgendjemanden anklagen
läuft uns sowieso die Zeit davon
weil wir eine ganze Welt darauf bauen
dass wir eine ganze Welt aussaugen
wir haben nichts mehr zu verlieren
jetzt können wir uns ungeniert
gegenseitig anlügen
und unsere Geschichte ist blutig
aber ständig drüber reden
tut man nicht
tut man nicht