Kim Vorbei

Die Geschichte ist altbekannt und wiederholt sich. Wenn das Kind flügge wird und das elterliche Nest verlässt, dann entwickeln sich auf beiden Seiten neue Gefühle. Kribbelnde Unsicherheit, Aufbruchsstimmung und Freiheitsdrang bei der jungen Generation. Abschiedsschmerz, Wehmut und elterlich-behütete Sehnsucht bei der älteren. „Kim vorbei“, ruft man als Mutter der Tochter zu und hofft, dass die neue geografische Distanz nicht auch zu einer zwischenmenschlichen wird. Anna Buchegger erfasst den notwendigen und natürlichen Abnabelungsprozess aus dem heimischen Schutzkokon mit einer schwungvoll-fröhlichen Alpenpop-Nummer, die sich im Refrain auch nicht vor einer psychedelischen Jodel-Einlage fürchtet.
Mit 16 zog sie vom heimatlichen Abtenau in die Landeshauptstadt Salzburg, um sich den Chancen und Risiken des Reifens und Erwachsenwerdens auszusetzen. Ohne Kitsch beleuchtet die 25-Jährige in dem Song aber nicht nur die schönen Seiten einer Mutter-Tochter-Beziehung, sondern vergisst auch nicht auf die Ambivalenz, die darin steckt. „Du redst an mir vorbei, und donn triffst wiera mittn ei / du liest zwischen meine Zeiln, und siagst de Wundn, de nit heiln“. Im markanten Salzburger Dialekt fügen sich Generationskonflikte, familiäre Liebe und eine einzigartige Form der Zweisamkeit zu einem fast hymnischen Stück Pop, das Regionalität und Familie frei von Pathos zelebriert.
Z’vü

Mit „Z’vü“ hält die junge Salzburgerin dem Patriarchat den Spiegel vor und verkörpert es zugleich. Sie wirft wild mit oberflächlichen Bewertungen um sich und wird dabei von tiefen Bässen und dreckigen Synthesizer-Sounds musikalisch unterstützt. Das Thema, mit dem Frauen in der Kulturszene und in sämtlichen Lebenssituationen nach wie vor konfrontiert sind, ist allgegenwärtig. Indem sie sich selbst in die Rolle des Täters inszeniert, verleiht sie dem Feminismus eine erfrischende Perspektive.
Klassik, Jazz, Pop – es gibt kaum ein Genre, in dem Anna Bucheggers bislang nicht auf begeistertes Gehör stieß. Ihr Talent bewies sie nicht nur während ihres fulminanten Starmania-Erfolgs 2021, sondern u.a auch bei Auftritten im Salzburger Haus für Mozart. So hat die 25-Jährige sich selbst kennengelernt. Zunehmend reifte der Wunsch nach etwas Neuem. Nach einer Vermischung von alpenländischer Folklore mit zeitgemäßer Popmusik. Ganz ohne (rechts)politischem Mief und bürgerlicher Kleingeistigkeit.
Keine Ahnung

Beziehungen zerbrechen, die Herausforderungen des Alltags werden zu viel oder man fühlt sich im gängigen System unserer Gesellschaft nicht mehr wohl. Weg vom ständigen Hustle und allen Verpflichtungen. Ab in eine verheißungsvolle Welt voller Freiheiten und Abenteuer. Auf „Keine Ahnung“ besingt die Salzburger Stimmakrobatin Anna Buchegger die Sehnsucht nach der Ungewissheit. Begleitet von einer schwungvollen, zuträglichen Melodie trägt sie uns in die sengende Sonne und klare Luft des Südens. Dort, wo die Welt sich scheinbar langsamer dreht und man endlich die innere Mitte findet.
Doch wo sich Reisende befinden, dort gibt es auch Zurückgebliebene. Beste Freundinnen, die mit einer Mischung aus persönlicher Wehmut und Freude für die andere Person zurückbleiben und mit Tränen in den Augen das Beste wünschen. Die aber auch mahnende Worte mitgeben, dass sich die Probleme von daheim im fernen Ausland nicht von selbst lösen: „Den Rucksock nimmst du üwareu hi mit. Den nimmt da koana oh, owa vielleicht hüft da wer trong.“ Elektronische Sounds umspielen die Mundart, dazwischen grätscht eine Gitarre rein und gibt der Nummer ein artifizielles Alpen-Rock-Flair. „Keine Ahnung“, ob das Glück dieser Welt da draußen liegt. Ob man dortbleibt oder wieder zurückkommt. Wichtig ist, dass man zueinandersteht. Keine Entfernung kann die echte menschliche Nähe nehmen.